Geschichte

Inhalt:
 
1. das Objekt
2. die Geschichte
3. der Verein
4. der Aufruf
5. der Sieg
6. die Entwicklung
7. die Gegenwart
1.  Das Objekt                     
Die „Maarbrücke“ ist ein wunderschöner Altbau, gelegen in Bochum Stahlhausen, An der Maarbrücke 28. Es ist ein großes Gebäude mit vier Etagen und acht Wohnungen, einem großen Erker, hohen Räumen, mit Stuck an Fenster und Decke und mit Dielenfußböden.
Wir, sieben Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Lebensart, haben uns in diesem Haus zusammengefunden und eine Wohn-Gemeinschaft gegründet, die für jeden Einzelnen zur Familie geworden ist.
2.  Die Geschichte                  
Der langjährige Besitzer vermacht nach seinem Tod das Haus seiner Frau, die allerdings nach Australien auswandert.
Das Haus bekommt 1994 einen neuen Eigentümer, der damit spekuliert. Er verschuldet sich und das Haus und läßt es verkommen. Bis heute ist er unauffindbar geblieben. Das Vorkaufsrecht geht an einen weiteren Spekulanten über, ihm fehlt jedoch das Geld zum Kauf.
Als Vermieter ist nun niemand mehr ansprechbar, die Mietverträge laufen aus. Weitervermietung ist somit nicht möglich. Bis 1995 sind die meisten Mieter ausgezogen. Das Haus steht fast leer.
Die restlichen Mieter nehmen Kontakt  mit dem Mieterbund und der Stadt Bochum auf, doch niemand fühlt sich für das Gebäude zuständig.
Im Haus bleiben ein Obdachloser, ein Gartenbauer und ein Maler mit Atelier.
Alles hängt in der Schwebe, die Lage spitzt sich zu:
Der Spekulant mit dem Vorkaufsrecht, möchte widerrechtlich den Wohnraum leerstehen lassen, droht den Bewohnern und läßt grundlos Müll sowie persönliche Einrichtungsgegenstände einfach auf den Hof werfen.
Auch in diesem Fall bleibt die Stadt Bochum untätig, es bleibt bei Versprechungen; die Angelegenheit sei Sache des „Besitzers“.
Ab August 1996 kommen immer mehr Leute zusammen, die das Haus für sich entdecken: Zwei Studenten der Architektur nutzen eine der Wohnungen erst als Zeichenraum und ziehen dann, trotz der schwierigen Lage, ein. Sie sind begeistert von den Räumlichkeiten.
Ein Visagist und ein Handwerker kommen hinzu und zuletzt ein gemeinsamer Freund, ebenfalls Gartenbauer.
Es entsteht eine Gemeinschaft von sieben Personen, die die Wohnungen nach ihren Vorstellungen renovieren und das Haus instand halten.
Das gemeinsame Ziel ist creatives Wohnen und Leben in neuen Formen und Maßstäben. Es entsteht ein Miteinander, in das jeder seine Ideen und Fertigkeiten einbringt.
Es gibt viel zu tun, vor allem im harten Winter, der Kraft und Geld kostet: Wasserrohrbrüche, Kaminreparatur und die Instandsetzung der Heizungsanlage sind Sanierungen, die das Haus vor einer Schließung durch die Stadt retten.
Durch die plötzlich angekündigte Zwangsversteigerung werden die Bewohner in Zugzwang gebracht.
Der Verein „Maarbrücke e.V. Inititative für neues creatives Wohnen“ wird gegründet.
Unser Ziel ist es nun, das Haus zu ersteigern.
3.  Der Verein
Die Hausgemeinschaft „Maarbrücke e.V.“ sieht die Möglichkeit, das von ihr genutzte Haus „An der Maarbrücke 28“ selbst zu finanzieren und käuflich zu erwerben.
„Neues Wohnen“ spricht somit eine Wohnform an, in der sich mehrere Menschen Wohnraum teilen, wobei jedem ein eigenes Zimmer zusteht, Küche und Bad sowie Gemeinschaftsräume zusammen genutzt werden.
„Creatives Wohnen“ greift die Idee des „Künstlerhauses“ auf,  in dem sich Angesprochene treffen können und Raum zum Ausleben ihrer Fähigkeiten finden.
Durch diese Art der gegenseitigen Übereinkunft wurde es möglich, in dem o.g.
Haus, eine Wohnung nur für creative Tätigkeiten zu nutzen.
Diese „Werkstätte des Schaffens“ teilen sich:
– vier Architekten, in Ausbildung
– ein freischaffender Maler
– ein Visagist, Skulpteur
– andere creativ Tätige
Außerdem ist die „Wohnwerkstatt“ jederzeit offen für interessierte Freunde, die dort mit uns arbeiten möchten.
Unsere Art des Zusammenlebens hat sich für alle Beteiligten als zukunftsträchtig
erwiesen, soll beibehalten und wo möglich ausgebaut werden.
Es ist uns wichtig, diesen Altbau mit seinen wundervollen Räumlichkeiten zu
erhalten und nicht durch abgehängte Decken, Isolierverglasung o.ä. zu entstellen. Mit unseren handwerklichen Fähigkeiten, sehen wir uns durchaus in
der Lage, für den ordnungsgemäßen Zustand des Hauses zu sorgen und diesen
zu pflegen.
Unsere Ziele:
– Geld in das eigene Projekt stecken, statt Miete an Dritte
– Wohnungen an Gleichgesinnte preiswert vermieten
– weitere „Creativräume“ schaffen.
4.  Der Aufruf                         
 Stichtag der Zwangsversteigerung ist der 20. Juni 1997 !!!
 Angesprochen sind alle, die dieses Projekt unterstützen wollen.
Wir sind für jede Hilfe dankbar, offen für Ratschläge von Menschen mit ähnlichen Projekten und Erfahrungen oder freuen uns auch über die moralische Unterstützung von Gleichgesinnten.
Der Verein bietet:
– bei Erwerb des Hauses, große Wohnungen mit preiswerten Mieten von 8 DM/qm
– Ateliers für creative Tätigkeiten
– die Eckwohnung mit seperatem Eingang könnte bei entsprechender Nutzungsänderung als Vereinslokal oder Café genutzt werden und bietet Raum für Ausstellungen, Lesungen und als Treffpunkt.
Möglichkeiten alternativer Finanzierung über private Kleinkredite sind durchdacht. Ein entsprechender Finanzierungsplan ist ausgearbeitet und kann jederzeit bei uns eingesehen werden.
5.  Der  Sieg
Wir haben es geschafft !
 Heute, eineinhalb Jahre nach der gefürchteten Zwangsversteigerung am
20. Juli 1997, dürfen wir das Haus „An der Maarbrücke 28“ tatsächlich
weiterhin unser Zuhause nennen !
Keiner von uns war sich jemals sicher, ob das Projekt Wirklichkeit werden würde, aber unser Glaube daran war so stark, daß wir stets weitermachten und auch wenn Probleme aufkamen, nie aufgaben.
Die Veröffentlichung unserer Idee „Bürger unterstützen Bürger“, bei welcher interresierte Mitmenschen Geld festverzinst für einen abgesprochenen Zeitraum bei uns anlegen konnten, rettete die ganze Aktion vor dem Untergang. Nur durch die schnelle, spontane Hilfe vieler Bürger schafften wir es, die benötigten 10% des Kaufpreises zusammenzukratzen, und somit das Haus zu ersteigern.
Wir spürten, daß hier etwas ganz Besonderes und Einmaliges vor sich ging.
6. Die Entwicklung
Als wir es also geschafft hatten das Haus zu ersteigern, unterstützte die GLS- Bank uns mit einem Finanzierungskredit um die restliche Summe des Kaufpreises zu bezahlen. Damit war die größte Hürde genommen !
Doch was jetzt an Problemen bevorstand, war ganz anderer Natur:
Das Haus mußte entrümmpelt und aufgeräumt werden. Heizungen installiert, um über den nächsten Winter zu kommen, sowie völlig marode Bäder saniert werden, um sie überhaupt benutzen zu können. Außerdem brauchten wir neue Mitbewohner für die noch leerstehenden Wohnungen, die unser Projekt mit unterstüzten und nicht vor ausgiebigen Renovierungsarbeiten zurückschreckten.
Weiterhin erwies es sich als wichtig die Kalkulationen neu zu überarbeiten, um nötige Gelder vernünftig einzuplanen und die zukünftigen Mieten festzusetzen.
Mit 8,- DM pro qm Wohnfläche gelang es uns die Kaltmieten wie erhofft niedrig zu halten, auch die „Creativräume“ waren weiterhin finanzierbar.
 Alle haben mit angepackt. Mit viel Mühe, Arbeit und durch Hilfe von Freunden schafften wir es, auch diese Aufgabe zu meistern.
All die Zeit hat von jedem Einzelnen viel abverlangt, unzählige Nerven gekostet und doch hat die gemeinsame Sache uns alle fest zusammengeschweißt.
Jeder hat durch diese ganzen Entwicklungen ungeheuer dazugelernt und wir sind stolz darauf, niemals aufgegeben zu haben.
7. Die Gegenwart
 Jetzt, nachdem der Alltag eingekehrt ist, sind die ersten Ziele erreicht:
Die Wohnungen sind renoviert und mit neuen Heizungen und Bädern ausgestattet, die Winter unbeschadet überstanden, das Haus warm und trocken.
Langsam kehrt Ruhe ein!
Es ist das Zuhause für 17 junge Menschen geworden.
Auch weiterhin gibt es noch immer und immer wieder von neuem viel zu tun. Der Enthusiasmus der ersten Tage hat sich natürlich gelegt und manches verläuft schleppender, aber wir haben nichts von dem bereut, wofür wir gekämpft haben.
Auch wenn die Verantwortung  jetzt erst richtig begonnen hat, so sind wir uns doch immer darüber bewußt wie wertvoll, das was wir geschaffen haben, ist.Vor allem jedoch wie wichtig es bleibt, dies für die Zukunft zu erhalten und auszubauen.
Jedes Jahr ende August veranstalten wir ein Straßenfest, um an den Beginn unserer Geschichte zu erinnern und den 28. August, den Tag an dem der Kaufpreis des Hauses ans Gericht bezahlt wurde, gebührend zu feiern. Aber auch um die erreichten „Ziele“ zu überprüfen und kritisch zu beleuchten.
Jeden, der Lust hat mit uns zu feiern, laden wir herzlich dazu ein !
Wir danken von ganzem Herzen all denen, die uns finanziell, durch ihre Mitarbeit oder moralisch unterstüzt haben.
Besonders aber danken wir unseren Anlegern und der GLS- Bank für ihre Hilfe und Vertrauen, denn ohne ihr Zutun würde unser Projekt „Maarbrücke e.V. Neues und Creatives Wohnen“ nicht existieren !
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